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Allzu Menschlich

Mit diesem Event-Format wollen wir uns mit Fragestellungen, Herausforderungen und Denkansätzen rund um das Thema Digitalisierung beschäftigen. Renommierte Referenten geben uns in inspirierenden Vorträgen Einblicke in den Stand der Wissenschaft und den Bereich des Machbaren und Möglichen. Unsere neue Ausgabe von Allzu Menschlich findet statt am 14. Oktober 2021. Save the Date!


Allzu Menschlich 2019

In der Eventreihe Allzu Menschlich der artiso solutions GmbH, die am 17. Oktober 2019 im vollbesetzten Studio der Sparkasse Neue Mitte in Ulm stattfand, haben wir uns mit digitalen Veränderungsprozessen auseinandergesetzt. Als Keynote Speaker konnten wir an diesem Nachmittag Prof. Dr. Sascha Friesike, Direktor des Weizenbaum-Instituts für vernetzte Gesellschaft in Berlin und Professor für Design digitaler Innovationen an der Universität der Künste in Berlin gewinnen. Sein Vortrag zum Thema "Digitalisierung: Zwischen Schlagwort und echter Veränderung" wurde eingeleitet von einem Impuls von Auszubildenden der artiso solutions GmbH, die über ihre Erfahrungen in einem Ideenexperiment berichtet haben.


Kreativität als Schlüssel für die Zukunft

Spanische Klänge durchfluteten das Studio der Sparkasse Ulm. Gedanken an Sommer, Sonne, Strand und Paella flammten auf. Verwundert rieb sich der ein oder die andere Augen und Ohren, denn nicht um spanische Folklore sollte es gehen an diesem Nachmittag, sondern um die Digitalisierung, um Veränderungen und was man denn nun eigentlich darunter zu verstehen hat. In Villariba und Villabajo, so vermittelten es Moderator Marcus Oesterle und Volker Rath, Geschäftsführer der artiso solutions GmbH - und so löste sich das Geheimnis um das Spanische auf - haben die einen etwas richtig gemacht, während die anderen den Anschluss verpasst haben. Offenbar hatten „die oben“ ein paar gute Ideen mehr. Damit schloss sich der Kreis zum Thema, denn im Zentrum stand - auch und vor allem im Zeitalter der Digitalisierung - der Umgang mit Kreativität und damit schlichtweg das, was uns ALLZU MENSCHLICH macht.


Azubi Projekt mit Design Thinking

Entsprechend ging es nach den Grußworten des Repräsentanten der Sparkasse Andreas Schultheiß dann auch gleich los mit dem Impulsvortrag der Azubis der artiso solutions GmbH. Wie kommt man zu Ideen? Das fragten sich Alesia Bragagnolo und Joshua Schmid. Zusammen mit ihren Mit-Azubis haben sie sich einem Selbstversuch unterzogen und sich in einem kollaborativen Prozess auf die Suche nach einem Thema für die nächste Bildungsmesse begeben. Nach den Regeln des Design Thinking wurde gedacht, gemacht und gelacht und am Ende des Tages stand ein Ergebnis, das letztlich alle Teilnehmer überraschte. Die so entstandenen Ideen werden nun ausgearbeitet und im Februar an der Bildungsmesse vorgestellt.


Prof. Sascha Friesike und ein Gedankenfeuerwerk

Entstehungs- und Veränderungsprozesse waren auch die Themen, mit denen sich Prof. Sascha Friesike in seinem anschließenden Vortrag beschäftigte. In einem Feuerwerk aus gedanklichen Ansätzen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und anekdotischen Anschauungsbeispielen gelang es ihm, Gemeinplätze im Zusammenhang mit der Digitalisierung kritisch zu hinterfragen und so Raum zu schaffen für differenzierte Betrachtungsweisen.


Vermeidung von "digitalem Dilettantismus"

Aufgrund der Komplexität neuer Möglichkeiten und der Geschwindigkeit bei der Entstehung neuer Erkenntnisse konstatiert er eine selektive Wahrnehmung und Debatte über den Einsatz neuer Technologien. Grundsätzlich räumt er mit dem Vorurteil auf, neue Technologien veränderten die Gesellschaft, denn letztendlich entscheide der Mensch, wofür eine Technologie eingesetzt werde. Dabei sei Voraussetzung zu erkennen, dass Technologien nicht per se Lösungen, sondern lediglich Werkzeuge für Problembehandlungen seien. Um Aufgaben lösen zu können, müsse man sich also zunächst einmal der Aufgabenstellung bewusstwerden, um diese dann mit Hilfe der entsprechenden Technologie angehen zu können. Bloße Technologiegläubigkeit und ein Überstülpen einer digitalen Technologie um ihrer selbst willen bezeichnet er entsprechend als „digitalen Dilettantismus“.


Kooperation und Kommunikation

In diesem Prozess nun komme der Kreativität eine bedeutende Rolle zu. Auch hier stelle sich die Frage, inwieweit die Digitalisierung in diesem Bereich, z. B. durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz, Einzug halte. Sascha Friesike betrachtet digitale Technologien auch im kreativen Prozess lediglich als Hilfsmittel, denn Kreativität sei nutzlos, wenn sie nicht durch originär menschliche Eigenschaften flankiert werde. Der Kommunikation misst er dabei einen hohen Stellenwert zu, denn nur, wer Lösungsideen verstehe, könne sie auch umsetzen. Da in einer immer komplexer werdenden Welt Wissen gebündelt werden müsse, sei darüber hinaus auch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit wichtig, um aus einzelnen Expertisen zu einem Gesamtbetrachtungsansatz zu kommen. Nicht zuletzt komme es grundsätzlich darauf an, sich in Anbetracht unendlich vieler Möglichkeiten ein kritisches Denken zu bewahren, um die Relevanz für den Einsatz einer Technologie in Hinblick auf das jeweilige Problem beurteilen und so die wirklich notwendigen Maßnahmen selektieren zu können.


Die Sichtbarkeit erhöhen

Bewusstwerden müsse man sich zudem über Paradoxien, die sich im Zuge des digitalen Veränderungsprozesses ergeben. Als Beispiel hierfür führt er unter anderem die Forderung nach immer mehr Transparenz als unverzichtbare Voraussetzung für die Akzeptanz digitaler Veränderung an. Die fortschreitende Granulierung habe hier dazu geführt, dass der Grad an Information zwar hoch, die Sichtbarkeit des Inhalts aufgrund der Fülle der Daten aber auf der Strecke bleibe. Ziel müsse es also sein, nicht die Transparenz, sondern die Sichtbarkeit durch die Auswahl entsprechender Maßnahmen zu erhöhen. „Die Frage muss sein, wie wir Dinge vernünftig visualisieren, wie wir Sachverhalte so zusammenfassen können, dass sie besser zugänglich sind und in einem Prozess so darzustellen, dass die Informationen, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht auch genau dann transparent zur Verfügung stehen.“


Rundum positive Resonanz

Am Ende des gleichermaßen inspirierenden wie unterhaltsamen Vortrags hatte das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Gedanken einzubringen. Es entspann sich eine anregende Diskussion, die ihren Fortgang am Büffet bei Speis und Trank fand. Die Resonanz des Publikums war durchweg positiv. Fazit einer Besucherin: „Es ist sehr beruhigend, dass der gesunde Menschenverstand auch in Zukunft nicht überflüssig werden wird“. Schöner kann das Anliegen von ALLZU MENSCHLICH nicht bestätigt werden.


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